SEO in der Krise? Wohin geht der Weg

By | 22. Juli 2014

Momentan wird viel spekuliert im SEO-Bereich. Kaum jemand ist wirklich glücklich mit den Neuerungen der Google-Suche, und das hat seinen Grund. Ich versuche hier abzubilden, wo ich ein wirkliches Problem sehe.

Ich spreche von Google, weil deren Marktanteil momentan zu groß ist um von etwas anderem zu sprechen. Ich glaube aber, dass die Tendenz zu Alternativen zu Google auch deshalb wächst, weil jene die sich damit auskennen – und das sind hier die Opinion-Leader und auch die, die darüber schreiben – gerne mehrere Kanäle hätten, auf denen Sie arbeiten können. Der Durchschnittsuser kennt keine Duckduckgo.com Suchmaschine, er wird sich auch nur schwer plötzlich Gedanken über die Privatsphäre bei der Suche machen, außerdem ist er zufrieden in seiner scheinbar flauschigen Internetwelt.

Was hat sich geändert bei der Google-Suche?

Grob gesagt hat Google die Absicht seine Suche so organisch wie möglich zu halten. Es sollen Antworten auf Fragen geboten werden. Anbieter von Produkten, die diese Fragen betreffen sind Google in Punkto Suchergebnis vorerst nicht so wichtig – was dem menschlichen Verhalten ja entgegenkommt. Wenn ich wissen möchte, wie ich ein Ei koche, brauchen ich nicht gleich einen Eierkocher kaufen – und will es wahrscheinlich in dem Moment auch gar nicht.

Was Google nicht mag:

  • Linkfarmen
  • keine gekauften Links
  • keinen Spam
  • doppelte Inhalte – es soll alles so einzigartig wie möglich sein
  • Flash-Seiten (mittlerweile warnen sie auf mobilen Geräten davor)
  • Keyword-Stuffing
  • Zu werbelastige Seiten
  • Gastbloggen (Siehe der letzte Link unten…)

Was Google mag:

  • einzigartige, hochwertige Inhalte
  • Bilder zu Themen
  • gute Beschreibungen
  • lange, relevante  Texte
  • Autoren, die kompetent sind – sprich viel schreiben zu Themen
  • Autoren, die ihr Profil mit Google+ verbinden und so in der Suche identifiziert werden können
  • Links – aber nur organische – also ehrlich gesetzte, nicht gekaufte usw.
  • Schnelle Seiten

Wo ist jetzt das Problem – und was hat das mit SEO zu tun?

In den neuen Richtlinien für Seitenauditoren bei Google (>> hier ein englischsprachiger Artikel dazu von Jennifer Slegg) steht explizit geschrieben, dass Fachautorität, sprich Kompetenz und Zusatzinformationen auf einer Seite zu dem in der Seite behandelten Thema als sehr wichtig zu betrachten sind. Wir dürfen davon ausgehen, dass auch bei der Indizierung der Seiten so gearbeitet wird. OnPage SEO – also Optimierung auf einer Seite selbst – wird zunächst darauf achten, dass die grundsätzlichen Anforderungen wie Permalinks, Seitenstruktur, interne Links, Beschreibungen und Titel stimmig sind und passen.

Nun kommt das OffPage SEO – also alles was mit der „Verlinkung“ der zu optimierenden Seite zu tun hat. Die einen kaufen Links auf Blogs, die anderen arbeiten mit Kommentaren, wieder andere gehen auf die Suche nach broken Links und versuchen ihren Content als neues Linkziel unterzubringen. Das kann eine Agentur machen oder Seitenbetreiber machen es selbst.

Kurze Anmerkung: Links sind wichtig in der Suchmaschinenoptimierung. Die Idee ist noch immer sich in einem Thema quasi von Link zu Link zu hangeln und diese Links sollen eben wirklich passen und nicht aus Gründen des Profits gesetzt sein. Ob ein Link gekauft wurde oder tatsächlich organisch ist, lässt sich nicht immer einfach eruieren. Wichtig ist, dass das Thema passt und man nicht auf einer Seite landet, die eine Sackgasse bildet. In diesem Blog oder auf der Hauptseite werden Sie übrigens keinen einzigen gekauften Link zu einem Beitrag finden.

So… jetzt fehlen nur noch die hochwertigen Inhalte, zu denen verlinkt werden soll – die praktisch den zu findenden Inhalt auf einer Webseite darstelllen. Macht die Agentur? Toll… dazu hier ein Beispiel:

Tischlerei Holzbartl & SEO

Fa. Holzbartl ist eine Tischlerei. Herr Holzbartl ist in dritter Generation Tischler – ein wirklicher Experte… beim Tischlern. Schreiben liegt ihm nicht, das Internet benutzt er hauptsächlich um sich gelegentlich ein Pizza zu bestellen – aber seine Webseite ist ihm wichtig. Die soll gut ausschauen und natürlich gefunden werden. Er beschäftigt also eine Agentur.

Die Agentur arbeitet großartig. Eine tolle Homepage wird erstellt, wie in der Werbung versprochen werden redaktionelle Inhalte fürs Content-Marketing geschrieben und Herr Holzbartl ist zufrieden. Einen Haken gibt es aber bei der Sache – in der Agentur ist niemand ein Tischler.

Der „Experte“, der sich für Herrn Holzbartl ein Google+ Profil angelegt hat und in seinem Namen Artikel schreibt und den Inhalt der Seite vermarktet, hat tatsächlich von Holzbearbeitung so viel Ahnung wie Herr Bartl von PHP. Das Ergebnis sind schöne, redaktionelle Texte mit dem fachspezifischen Tiefgang eines Horoskops in einer Gratiszeitung.  Klingt böse? Soll es auch – wobei natürlich jede Agentur sich mit der zu vermarktenden Materie auseinandersetzt, damit die Artikel gut werden – aber Expertenartikel sind es deshalb noch lange nicht. 

Wohin führt das?

Diese, meine,  Antwort auf diese Frage wird niemandem schmecken, aber momentan sieht es für mich so aus, dass das Web noch wesentlich mehr als bisher in Zukunft aus lediglich lauen Artikeln zu wichtigen Themen besteht. Wer verkaufen will und nicht ständig aktuelle Inhalte posten möchte, muss auf bezahlte Werbung in der Suchmaschine zurückgreifen – was Google natürlich gefällt. Sind die Telefonbücher und Firmenverzeichnisse endlich auf die hinteren Ränge verwiesen bei der Suche nach Information – was ich persönlich begrüße – so kommt nun die Ära der „redaktionellen Texte“ auf uns zu, die leider außer im technischen Bereich – denn hier gibt es tatsächlich richtig viele Blogger mit Expertenwissen – nur sehr wenig für die Leute bietet.

Etwas gutes hat die Sache allerdings, Fachliteratur wird wieder mehr konsumiert werden. Fachmagazine on- und offline dürften sich bald in jeglicher Branche an einem regen Zulauf erfreuen. Auch Foren steht eine Renaissance bevor, nachdem doch viele User in die sozialen Netzwerke abgedriftet sind und sich dort austauschen.

Fazit

Es geht nicht darum, dass Leute, die bisher nicht im Netz gepostet haben, das in Zukunft tun sollten oder nichts verloren ist, weil sie es weiterhin nicht tun – es geht darum, dass wir demnächst von scheinbaren Fachartikeln von scheinbaren Experten überflutet werden, weil das die einzige Möglichkeit bleibt, einen Inhalt abseits von klassischen Anzeigen zu vermarkten. Entweder Google bekommt demnächst eine ernst zu nehmende Konkurrenz oder wir erleben seichtes Programm in den Suchergebnissen. Viel Spielraum ist da nicht. Google Adwords wird auf jeden Fall noch eine Weile an Bedeutung gewinnen und die SEO Agenturen haben sicher auch viel zu tun.

Schreiben Sie für Menschen! Wenn Sie keine Zeit zum Schreiben haben, machen Sie OnPage SEO oder lassen es machen und investieren Ihr Geld in Werbung anstatt in Artikel, die nicht von Ihnen sind. Eine gute Möglichkeit wäre, wenn Sie sich im Schreiben nicht so sicher sind aber Zeit und vor allem die Expertise dazu hätten, dass Sie Ihre Artikel von einer Agentur redaktionell überarbeiten lassen. SEO Tips sind viele im Netz zu finden, nicht alle sind gut – aber wenn Sie Ihre OnPage Optimierung im Griff haben, ist ein Gutteil des Weges bereits hinter Ihnen.

Links

3 thoughts on “SEO in der Krise? Wohin geht der Weg

  1. Michael

    Hi Walter,

    vielen Dank für die Erwähnung von meinem Artikel auf Rankpress.de.

    Beste Grüße
    Micha

    Reply
  2. Pingback: Kompetenz im Web aufbauen – Bloggende Experten vs. Blogger mit Expertise | Der Blog der Guten Webseite

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