Gutes Webdesign – und warum Sie sich schlechtes nicht leisten können

By | 28. Januar 2015

Gutes Webdesign habe ich mitunter schon auf anderen Bereichen der Guten Webseite erwähnt, wie es scheint allerdings zu selten. Den Artikel hier schreibe ich aus zwei Gründen – erstens möchte ich mit der Idee, dass Gutes Webdesign und Design im Sinne von Grafikdesign ähnlich sind aufräumen. Zweitens, weil trotzdem die Schwester der Freundin vom Schwager der Nachbarin einen Kurs an der Volkshochschule gemacht hat, sie noch immer keine Ahnung davon hat, was Gutes Webdesign ausmacht.

Aber beginnen wir dort, wo so vieles anfängt – bei der Idee und den Irrtümern.

1. Irrtum: Die vermeintlich gute Idee „ich bin so kreativ, ich mache Webdesign“

Natürlich ist es gut, kreativ zu sein. Das hilft dabei Problemlösungsstrategien zu entwickeln, sorgt für gute Ideen und ermöglicht außerdem originelle Arbeiten. Gutes Webdesign erfordert Kreativität – aber eben nicht im bildnerisch gestaltenden Kontext, dafür gibt es Grafikdesigner. Die allerwichtigste Prämisse für jede Webseite lautet:

 

Die Webseite muss von jenen gefunden werden, denen ich meine Inhalte präsentieren möchte. 

  1. Wird sie nicht gefunden, ist sie wertlos.
  2. Gefunden wird eine Webseite nie, weil sie schön ist sondern immer nur wegen der Inhalte.
  3. Sind die Inhalte nicht entsprechend vorhanden und organisiert, sind wir wieder bei Punkt 1

Wo Gutes Webdesign Kreativität verlangt

  • Analyse – Sie müssen kreativ an ein Projekt herangehen und so gut es geht alle möglichen Anforderungen erkennen.
  • Ansätze – Offline Vermarktung ist ein anderes Kapitel als Online, genau so wie Kataloge im Internet fehl am Platz sind. Ihr Kunde darf von Ihnen gute Ansätze zur Vermarktung online erwarten. Auch das ist gutes Webdesign und eine entsprechende Ausbildung im Marketing hat noch niemandem geschadet.
  • Texte – Sie dürfen sich als Webdesigner durchaus Gedanken machen, wie die Botschaften des Kunden richtig im Umfeld eines Webauftrittes implementiert werden. Einlesen, Fragen stellen, bestehende Kommunikationskanäle analysieren und letztlich auch nein sagen, wenn ein Text nicht passt bzw. entsprechende Vorschläge zur Verbesserung bringen.

Ein kleines Beispiel Gutes Webdesign vs. „wir machen Ihnen eh eine Homepage auch“:

Firma Schnauzbert hat eine Idee – man möchte die alte Homepage neu machen – toll. Da passt es gut, dass die Werbeagentur, die gerade die neuen Flyer und Visitenkarten angefertigt hat, auch Webdesign anbietet. Die Seite ist teuer, also muss sie gut werden. Die neue Homepage ist dann auch bald fertig und sieht einfach großartig aus. 6 Monate später ruft man die Gute Webseite an – weil irgendwie passt da was nicht – man hat kaum Besucher auf der Seite. Die Werbeagentur hat gleich AdWords von Google als umfassende Lösung angeboten. Man wollte aber einen zweiten Rat einholen, und damit kam ich ins Spiel. Die Frage des Geschäftsführers, ob denn das gekaufte nicht richtig gutes Webdesign sei musste ich leider verneinen.

Eine kurze Analyse ergab folgendes (Anm.: Firma Schnauzbert verkauft Reinigungsmittel):

  • Die wichtigsten Keywords auf der Seite der Firma Schnauzbert waren:
    • der Name des Geschäftsführers (kein Schnauzbert, aber Personenkult ist ihm nicht fremd)
    • Fuhrpark (der war neu und wurde etliche Male erwähnt)
    • Angebot (ebenfalls ein Wort, das man liebte und immer wieder schreiben wollte)
  • Die Bilder waren allesamt schön und leider im Netz schon ca. 800 mal vorhanden – es handelte sich um Standardbilder, die die Lieferanten an alle Kunden weltweit ausgegeben haben, die Werbeagentur tat dann das ihre dazu und hat auch noch Bilder einer Bildagentur dazu gekauft – einzigartige Inhalte (unique Content) waren in Punkto Fotos Fehlanzeige.
  • Die Texte – also jene in denen es nicht um den Fuhrpark und diverse Angebote ging – sind ebenfalls von den Lieferanten und zigfach bereits im Netz – unique Content Fail II
  • Um alles möglichst schön zu halten, hat man auf Text auch großteils verzichtet und lässt eben jene doppelten Bilder sprechen – durchschnittliche Textlänge abseits der Produktbeschreibungen und der „Über uns“ Seite (die hatte es in sich, 1500 Worte über den Geschäftsführer und den Fuhrpark….) ca. 15 bis maximal 50 Worte.
  • Metabeschreibungen fehlten (Anm.: das ist auch jener Text, der in einer Google-Suche unter dem Titel eines Suchergebnisses angezeigt wird)
  • Titel der einzelnen Seiten „Wir machen Ihnen ein Angebot“, „Jetzt im Angebot“, „Das neueste Angebot“, „Home“, „Über uns“, „Impressum“ – die einzelnen Produkte waren korrekt betitelt, allerdings ließen deren Namen nicht unbedingt auf Reinigungsmittel schließen und die Marke dürfte der breiten Masse nicht allzu bekannt sein.
  • Die URLs waren ordentlich, allerdings lasen sie sich fast genau so Abwechslungsreich wie die Titel.

Kurz gesagt – die Seite war ein wunderschöner Totalschaden, der allerdings durch gutes Webdesign repariert werden konnte. 

 

2. Irrtum: Gutes Webdesign ist hauptsächlich Programmieren

Natürlich ist es wichtig die Technik zu können aber tatsächlich ist die Ausführung sprich Programmierung nur ein kleiner Teil dessen, was ich als gutes Webdesign bezeichnen würde.

Davor kommen folgende Punkte – nicht zwingend in dieser Reihenfolge:

 

  • Zielgruppendefinition – wen will ich mit der Seite erreichen?
  • Marktsegmentierung – B2B, Alter, usw. – wie suchen einzelne Gruppen im Markt nach meinen Produkten?
  • Markt- und & Wettbewerbsanalyse – meistens vorhanden, muss aber unbedingt für den Onlineauftritt berücksichtigt bzw. erweitert werden, gutes Webdesign kann das auch 😉
  • Statistische Analyse von Suchbegriffen und dem Suchverhalten – welche Keywords sind relevant? Bei einer bestehenden Seite können die Besucher-Log-Dateien dafür sehr hilfreich sein
  • Für den Webdesigner wichtig: In das Fachgebiet des Kunden einarbeiten! Natürlich wird er kein Experte (soll er auch nicht – Kunden sind auch meistens keine Experten), aber er muss soweit informiert sein wie ein potentieller gut informierter Kunde.
  • Strukturierung der Inhalte
  • Externe Verlinkungen auflisten und entsprechende Umleitungen für ein Redesign berücksichtigen – fehlen diese, kann es dazu führen, dass Links von anderen Seiten oder die Suchmaschine auf nicht mehr vorhandene Seiten verlinken – was schlecht wäre.
  • Alte URL-Struktur bei bestehenden Seiten berücksichtigen

Diese Punkte erfordern ein paar Gespräche zwischen jenem der die Seite baut und jenem, der sie dann sein eigen nennt – aber sie sind wichtig. 2 – 3 Termine reichen in den meisten Fällen, den Rest kann man per Email erledigen. Deswegen kostet gutes Webdesign auch nicht 299 € oder sogar noch weniger.

3. Irrtum: Am besten ist es, alles aus einer Hand zu kaufen

Es mag sein, dass man seine guten Erfahrungen damit gemacht hat, in den meisten Fällen zahlt es sich aber aus, für jede Facharbeit auch einen Fachmann oder eine Fachfrau zu engagieren. Die Webseite gliedert sich bei genauer Betrachtung in drei Bereiche:

  1. Grafisches Design – Bilder, Fotos, Logos
  2. Texterstellung – Griffige Texte die sich sprachlich an der Zielgruppe und nicht am Experten orientieren
  3. Gutes Webdesign – die technische Ausarbeitung, die Grafik und Text zu einem Gesamtkonzept orchestriert.

Texterstellung ist häufig mit Unternehmens internen Humanressourcen möglich und auch besser so. Beispielsweise kennt der Vertrieb im Normalfall seine Kunden und weiß wonach sie fragen und was sie plagt. Der oder die Beauftragte, hat sich dann ein paar Tage gezielt um die Texterstellung zu kümmern und Bilder usw. einzufordern.

Logos und grafische Elemente sollten wirklich tunlichst von einem Designer erstellt, sprich zugekauft werden – besonders wichtig bei Neugründungen oder dort wo eventuell auch ein Markenschutz angestrebt wird.

Gutes Webdesign sollte jemand machen, der das nicht nebenbei „auch“ macht, sondern eben hauptsächlich. Wenn Sie Agenturen bevorzugen, dann wenden Sie sich an eine Internetagentur und nicht an eine Werbeagentur. Nicht umsonst arbeiten viele Werbeagenturen wiederum mit Internetagenturen zusammen.

4. Irrtum: Gutes Webdesign bedeutet Seite erstellen und dann fertig

Ganz wesentlich und auch ein Teil von gutem Webdesign ist es, die Performance der Seite zu überwachen und gegebenenfalls einzugreifen. Wichtig ist es auch, regelmäßig neue Inhalte auf der Seite und falls vorhanden, auf den verknüpften Seiten in den sozialen Netzwerken zu posten. Niemand liest die Zeitung von gestern, wir wollen News. Gutes Webdesign berücksichtigt das im Normalfall bei der Seitenstruktur und baut entsprechende Bereich ein, die es einfach ermöglichen, neue Inhalte anzufügen.

Sie können die Aktualisierung Ihrer Seite auch einer Agentur überlassen – das kann dann auch wieder eine Werbeagentur, da lediglich Inhalte generiert werden müssen. Gutes Webdesign bedeutet auch, dass ein Hinzufügen von neuen Inhalten einfach von der Hand geht.

Gutes Webdesign – der einzig richtige Weg

Selbst wenn es Ihnen nur darum geht irgendeine Homepage zu haben, sollte diese gefunden werden. Wenn Sie eigentlich keine Webseite brauchen, nehmen Sie die Domain nur zum Emailversand und verzichten Sie darauf – nicht jedes Unternehmen braucht gutes Webdesign. Wenn allerdings eine gewisse Chance besteht, Ihre Marke oder Ihr Unternehmen durch einen Webauftritt voranzubringen, dann müssen Sie auf gutes Webdesign Wert legen. Die die Schwester der Freundin vom Schwager der Nachbarin macht das nun einmal nicht und die Werbeagentur in den meisten Fällen auch nur nebenbei – sonst hieße sie ja nicht Werbeagentur. Gutes Webdesign zahlt sich aus, alles andere ist eben nur eine Homepage.

 

Weiterführende Artikel:

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.